Erhöhtes Migräne- und Schlaganfallrisiko durch Hitzschlag

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Obwohl Anfang Juli mit knapp 40 °C bereits ein Tempe­ra­tur­rekord für das Jahr 2025 erreicht wurde, befinden wir uns derzeit im Zeit­raum der poten­ziell heißesten Tage des Jahres.1, 2 Doch mit den hohen Tem­pe­ra­turen gehen nicht nur ange­nehme Sommer­abende und Bade­spaß einher, sondern auch ein erhöhtes Risiko für einen Hitz­schlag. Dieser tritt häufig im Zusammen­hang mit körper­licher Anstren­gung im Freien auf und äußert sich durch eine heiße, gerötete Gesichts­haut, Hypo­tonie sowie – im Fall von Wasser­ein­lage­rungen im Gehirn – durch Übel­keit, Erbrechen und Kopf­schmerzen.3

Ein Hitz­schlag hat nicht nur unmittel­bare und im schlimmsten Fall schwer­wiegende Folgen wie Krampf­anfälle, sondern kann auch lang­fristig das Risiko für Migräne ver­doppeln und das Risiko für Schlag­anfälle erhöhen, wie aktuelle Real-World-Daten von IQVIA zeigen.1, 3 Die Daten stammen aus 1.216 Haus­arzt­praxen und umfassen 5.794 Patien­tinnen und Patienten mit ärzt­lich dokumen­tiertem Hitz­schlag sowie 28.970 gematchte Kontroll­personen ohne Hitz­schlag, die im Durch­schnitt 30 Jahre alt waren und zwischen 2005 und 2023 über einen Zeit­raum von fünf Jahren beobachtet wurden.1

In diesem Zeitraum entwickelten 8,8 % der Patien­tinnen und Patienten mit Hitz­schlag, aber nur 4 % der gematchten Kontroll­personen Migräne. Eine Regressions­ana­lyse zeigte ein signi­fi­kant ver­doppeltes Risiko für die Ent­wick­lung von Migräne nach einem Hitz­schlag (Hazard Ratio [HR]: 2,26), das geschlechter­unab­hängig war (HR Frauen: 2,33; HR Männer: 2,26). Eben­falls 1,3-fach erhöht war das Risiko für einen Schlag­anfall (HR: 1,35), wobei dieses in der Alters­gruppe über 45 Jahren sogar 1,6-fach erhöht war (HR: 1,61). Diese Ergeb­nisse könnten darauf zurück­zuführen sein, dass eine akute Schädi­gung des zentralen Nerven­systems, einschließlich Ent­zün­dungs­reak­tionen, Schwellungen und einer gestörten Blut-Hirn-Schranke, sowohl bei einem Hitz­schlag als auch bei der Ent­stehung von Migräne eine Rolle spielt.

Die Daten unter­streichen, dass durch die Präven­tion von Hitze­schäden auch mög­liche Folge­erkran­kungen ver­mie­den werden können und Betroffene nicht nur auf akute Komp­li­ka­tionen, sondern auch auf mög­liche langfristige Folgen über­wacht werden sollten – insbe­sondere angesichts stei­gender Tempe­raturen durch die Klima­erwärmung.

1 IQVIA (2025). Sommerlaune mit Folgen. www.iqvia.com/de-de/locations/germany/newsroom/2025/07/sommerlaune-mit-folgen

2 Hessische/Niedersächsische Allgemeine (2025). Deutschland-Wetter reißt historische Rekorde – 2025 droht der heißeste Sommer aller Zeiten. www.hna.de/welt/der-heisseste-sommer-aller-zeiten-sommerhitze-heute-zwoelfmal-haeufiger-1980-gab-es-hitzetage-2022-schon-16-2025-droht-zr-93808841.html

3 DocCheck (2020). Hitzschlag. flexikon.doccheck.com/de/Hitzschlag