Zwischen Praxisalltag und Paragrafen: warum Ärztinnen und Ärzte eine spezialisierte Steuerberatung haben sollten
Selbstständige Ärztinnen und Ärzte stehen heute vor weit mehr Herausforderungen als allein der medizinischen Versorgung ihrer Patientinnen und Patienten. Wirtschaftliche Verantwortung, steigende Bürokratie und komplexe steuerliche Rahmenbedingungen gehören längst zum Praxisalltag.
Stefanie Anders, Steuerberaterin und Partnerin bei der ECOVIS KSO in Düsseldorf, hat sich bewusst auf die Beratung von Angehörigen der Heilberufe spezialisiert. Im Interview mit uns erklärt sie die Beweggründe für diese Spezialisierung – und was gute Steuerberatung in diesem Bereich wirklich leisten muss.
Rp. Institut: Frau Anders, Sie sind Steuerberaterin mit einer klaren Spezialisierung auf Ärztinnen und Ärzte. Warum gerade diese Zielgruppe?
Stefanie Anders: Im Laufe meiner beruflichen Laufbahn habe ich irgendwann gemerkt, dass ich nicht „alles für alle“ machen, sondern mehr in die Spezialisierung gehen möchte. Ärztinnen und Ärzte vereinen etwas ganz Besonderes: Sie tragen täglich eine enorme Verantwortung für andere Menschen – und gleichzeitig sind sie Unternehmerinnen und Unternehmer mit komplexen wirtschaftlichen, steuerlichen sowie rechtlichen Rahmenbedingungen.
Mich hat genau dieser Spannungsbogen fasziniert. Zudem habe ich während meiner Schulzeit selbst mit dem Gedanken gespielt, Medizin zu studieren. Ich mag es deshalb unheimlich gerne, meine Mandantinnen und Mandanten auch vor Ort in deren Praxen zu besuchen und mir dort die jeweiligen Abläufe anzuschauen. Daraus kann ich einiges für meine steuerberatende Tätigkeit mitnehmen. Viel mehr, als wenn ich nur am Schreibtisch sitze und mir die eingereichten Unterlagen anschaue.
Mein Antrieb ist es, Ärztinnen und Ärzte, die in ihrem Alltag ohnehin schon sehr viel leisten, durch eine gute Steuerberatung zu entlasten.
Rp. Institut: Was unterscheidet Arztpraxen steuerlich von anderen Unternehmen?
Stefanie Anders: Sehr viel. Heilberufe unterliegen besonderen steuerlichen, rechtlichen und organisatorischen Regelungen. Themen wie Freiberuflichkeit, Praxisgründung/-kauf, Umsatzsteuer auf bestimmte Behandlungsleistungen, Praxisgemeinschaften, Berufsausübungsgemeinschaften oder MVZ-Strukturen sind hochspezialisiert. Hinzu kommen Investitionen in Medizintechnik, Personalfragen, Vorsorgekonzepte und irgendwann auch die Praxisabgabe.
Wer Ärztinnen und Ärzte wie klassische Gewerbebetriebe berät, wird diesen Besonderheiten nicht gerecht. Deshalb braucht es hier eine echte Spezialisierung – fachlich und im Verständnis für den Praxisalltag.
Wer das System der Heilberufe versteht, kann wirklich gezielt und vorausschauend beraten – und nicht nur Zahlen verwalten.
Rp. Institut: Was genau macht denn die Heilberufe-Spezialisierung für Sie aus?
Stefanie Anders: Mein Team und ich sprechen die Sprache unserer Mandantinnen und Mandanten. Wir wissen beispielsweise, was GOÄ, KV-Abrechnung oder Praxisgemeinschaft bedeutet – und wie hierbei die steuerliche Auswirkung ist.
Zudem kennen wir die typischen Kennzahlen einer Arztpraxis. Wir wissen, wo wirtschaftliche Risiken liegen und können dadurch viel gezielter steuern.
Rp. Institut: Viele Ärztinnen und Ärzte sehen sich selbst gar nicht als Unternehmer. Wie erleben Sie das in Ihrer Beratung?
Stefanie Anders: Das ist tatsächlich ein sehr häufiges Thema in der Praxis.
Im Medizinstudium lernt man, Leben zu retten – aber nicht wie man einen Businessplan erstellt, Mitarbeitende führt, seine eigene Steuererklärung erstellt oder Investitionsentscheidungen trifft.
Viele meiner Mandantinnen und Mandanten wachsen erst mit der eigenen Praxis in diese Rolle hinein. Genau hier setze ich an und stehe den Praxisinhaberinnen und Praxisinhabern unterstützend zur Seite. Ziel ist es, dass die Ärztinnen und Ärzte wirtschaftlich souverän handeln können, ohne ihre eigentliche Berufung aus dem Auge zu verlieren.
Rp. Institut: Welche Rolle spielt Steuerberatung für die Qualität der medizinischen Versorgung?
Stefanie Anders: Eine größere, als man auf den ersten Blick vielleicht denkt. Wirtschaftlich stabile Praxen haben mehr Handlungsspielraum: für Personal, moderne Praxisausstattung, Fortbildungen und eine langfristige Ausrichtung.
Wenn finanzielle Unsicherheit oder bürokratische Überforderung wegfallen, entsteht Raum für das Wesentliche: gute Medizin. In diesem Sinne ist Steuerberatung zwar keine medizinische Leistung, aber sie schafft die Basis dafür.
Rp. Institut: Wie würden Sie Ihren persönlichen Beratungsansatz beschreiben?
Stefanie Anders: Ganzheitlich und partnerschaftlich. Ich sehe mich nicht als reine Zahlenlieferantin, sondern als Sparringspartnerin. Dazu gehört der Blick über die Gewinnermittlung hinaus: Praxisstruktur, Altersvorsorge, attraktive und mitunter steuerfreie Mitarbeitenden-Benefits, laufende Überwachung der Liquidität und Angemessenheit der laufenden privaten Einkommensteuervorauszahlungen. Aber auch eine strategische und rechtzeitige Vorbereitung auf die Praxisabgabe gehört mit dazu.
Besonders wichtig ist mir die Zusammenarbeit auf Augenhöhe – und ein Netzwerk aus weiteren Spezialistinnen und Spezialisten, wie beispielsweise im Bereich Medizinrecht, Finanzierung oder Praxismanagement.
Rp. Institut: Was motiviert Sie persönlich an der Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten?
Stefanie Anders: Die Sinnhaftigkeit. Ich erlebe täglich Menschen, die mit großer Leidenschaft für Ihre Patientinnen und Patienten da sind – oft über ihre eigenen Grenzen hinaus. Wenn ich mit meiner Expertise dazu beitragen kann, dass sie wirtschaftlich sicherer, entspannter und langfristig erfolgreicher arbeiten, dann empfinde ich das als sehr erfüllend.
Meine Spezialisierung ist daher keine Marketingentscheidung, sondern eine bewusste fachliche und persönliche Haltung.
Rp. Institut: Wie sehen Sie die Zukunft für Arztpraxen – und Ihre Rolle darin?
Stefanie Anders: Die Herausforderungen werden nicht kleiner: Fachkräftemangel, wachsende Bürokratie etc. Umso wichtiger wird eine vorausschauende, spezialisierte Beratung. Meine Rolle sehe ich darin, Ärztinnen und Ärzte über ihre gesamte berufliche Laufbahn zu begleiten – vom Praxisstart über Wachstumsphasen bis hin zur Praxisübergabe. Ziel ist immer dasselbe: wirtschaftliche Klarheit, damit der Fokus auf der Medizin bleiben kann.
Rp. Institut: Vielen Dank Frau Anders, dass Sie mit uns dieses Interview geführt haben.
Stefanie Anders: Ich habe ebenfalls zu danken. Es hat mir sehr viel Freude bereitet.

Kontaktdaten:
Stefanie Anders
Partnerin Heilberufe, Steuerberaterin bei ECOVIS KSO Steuerberater + Rechtsanwälte
stefanie.anders@ecovis-kso.com
Tel.: 0211/90867-0
www.ecovis-kso.com