Weiteres Puzzleteil zum Verständnis von Long COVID
Mittlerweile 6 Jahre ist es her, dass SARS-CoV-2 den Weg nach Deutschland fand. Obgleich das Virus inzwischen für viele seinen Schrecken verloren und sich in die Liste der klassischen Atemwegserreger eingereiht hat, so belastend und täglich spürbar sind die Folgen für die vielen Betroffenen von Long bzw. Post-COVID. Nach wie vor arbeiten weltweit Forschungsgruppen an Unikliniken und Forschungseinrichtungen daran, die vielfältigen Langzeitfolgen einer SARS-CoV-2-Infektion zu erfassen, Pathomechanismen zu entschlüsseln und Therapiemöglichkeiten zu erproben.
Eine vor kurzem in Nature Immunology erschienene Studie hat verschiedene Immunzellen von Post-COVID-Erkrankten – u. a. mithilfe von Einzelzellanalysen (single-cell multi-omics profiling) und Zytokinmessung im Blutplasma – untersucht und dabei einen Zelltyp als möglichen Treiber der systemischen Immundysregulation identifiziert: Monozyten. Insbesondere bei während der Infektion mild bis moderat Erkrankten wiesen Monozyten ein spezifisches proinflammatorisches Muster (TGFβ/WNT-β-catenin-Signalweg) auf, das mit der Zeit noch zunahm. Patientinnen und Patienten mit ausgeprägter Fatigue oder Dyspnoe zeigten dabei verstärkt dieses Muster. Eine persistierende Aktivierung der TNF- und/oder NFκB-Signalwege in bestimmten Immunzellen befeuert die systemische Entzündungsreaktion, die auch mit erhöhten Zytokinleveln im Plasma der Betroffenen nachweisbar war.
Eine der Stärken der Studie ist die Unterscheidung in der Patientenkohorte zwischen Patientinnen und Patienten mit milder bis moderater Akutinfektion und solchen mit schwerer. Bei schweren Krankheitsverläufen, einschließlich der Behandlung auf der Intensivstation, können bereits die medizinischen Interventionen mittel- bis langfristige Auswirkungen auf das Immunsystem haben.
Die Studie liefert einen weiteren Baustein im Verständnis der komplexen Systemerkrankung. Weitere Untersuchungen, die beispielsweise Post-COVID-Genesene miteinschließen, sind notwendig, um die zugrundeliegenden Mechanismen besser zu verstehen und Aspekte wie Begleiterkrankungen und Impfstatus berücksichtigen zu können.