Therapie von ADHS im Erwachsenenalter: Routine oder Herausforderung? Teil 3
Eine Serie von Prof. Dr. Markus Weih
In den folgenden Wochen wird Prof. Dr. Markus Weih, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, in unserer neuen Serie der Frage nachgehen, ob die Therapie von ADHS im Erwachsenenalter mittlerweile eine Routineaufgabe ist oder eine Herausforderung darstellt. Im dritten Teil der Serie geht es um die Therapie der ADHS mit Stimulantien. In den folgenden Teilen der Serie werden dann die unterschiedlichen Wirkstoffe genauer betrachtet.
Therapie der ADHS mit Stimulanzien
1937 verabreichte der Psychiater Charles Bradley im Emma Pendleton Home in Providence, Rhode Island mangels Alternativen Benzedrinsulfat, ein Amphetamin, an „Problemkinder“, um Kopfschmerzen nach einer Pneumenzephalographie zu lindern. Bradley bemerkte eine unerwartete Wirkung auf das Verhalten der Kinder: verbesserte Schulleistung, soziale Interaktionen und bessere emotionale Reaktionen (Stohl, 2011). Dies war der Beginn der vielen bis heute etwas paradox erscheinenden Stimulanzienbehandlung des Krankheitsbildes, das wir heute ADHS nennen.
Heute sind Stimulanzien nach aktuellen Leitlinien die Mittel der ersten Wahl zur Behandlung von ADHS. Die Medikamente wirken sich klar positiv auf die funktionellen Einschränkungen des Krankheitsbildes aus. Daneben wird auch das Risiko für Verletzungen und Verkehrsunfälle um 9–58 % gesenkt (Chang, 2019). Einige Studien legen auch nahe, dass das komorbide Risiko für Sucht und Substanzmissbrauch um 31–60 % sinkt, vor allem für Nikotin und Cannabisabhängigkeit (Quinn, 2017). Eine ältere Metaanalyse zeigte jedoch keinen Anstieg, aber auch kein Abfallen des Risikos (Humphreys, 2013). Es liegen aber auch gegenteilige Studien vor (Dalsgaard, 2014). Eine aktuelle retrospektive Studie (Begnaud, 2026) zeigte eine leichte (13%ige) Besserung komorbider Suchterkrankungen (v. a. Tabak und Cannabis) bei älteren und sozial integrierten Patientinnen und Patienten, es gab aber auch Subgruppen ohne Verbesserung. Zusammenfassend kann also die Auswirkung von Stimulanzien auf das Suchtrisiko noch nicht abschließend beurteilt werden.
In den folgenden Teilen dieser Serie werden die in Deutschland gängigen Präparate kurz vorgestellt.

Prof. Dr. Markus Weih ist Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie. Er ist im Medic-Center Nürnberg – Schöll + Kollegen (MVZ) tätig und für Berufsverband und in Forschung und Lehre aktiv.