Therapie von ADHS im Erwachsenenalter: Routine oder Herausforderung?
Eine Serie von Prof. Dr. Markus Weih
In den folgenden Wochen wird Prof. Dr. Markus Weih, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, in unserer neuen Serie der Frage nachgehen, ob die Therapie von ADHS im Erwachsenenalter mittlerweile eine Routineaufgabe ist oder eine Herausforderung darstellt. Im ersten Teil der Serie wurde das Krankheitsbild ADHS im Erwachsenenalter vorgestellt. Im zweiten Teil geht es um die Diagnose der ADHS im Erwachsenenalter.
Teil 2: Diagnose der ADHS im Erwachsenenalter
Die Diagnose und Therapie von ADHS gehören zum gängigen Spektrum von Fachärztinnen und Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie. Eine Wunschdiagnostik durch Psychologinnen und Psychologen ohne hausärztliche Überweisung ist möglich, sollte jedoch die Ausnahme bleiben, weckt sie doch in der Regel den Wunsch nach einer medikamentösen Behandlung durch Fachärztinnen und Fachärzte. Auch ist eine Inanspruchnahme von Terminservicestellen oder dringender Hausarztvermittlung nicht sinnvoll, da die Symptomatik in den meisten Fällen bereits in der Kindheit begonnen hat. Am besten ist und bleibt immer noch die reguläre hausärztliche Überweisung. Die Hausarztpraxen kennen ihre Patientinnen und Patienten oft gut und hier ist zum Beispiel auch bekannt, ob z. B eine kardiale Grunderkrankung oder andere Risiken bestehen.
Eine ADHS-Diagnostik als IGe-Leistung durch Fachärztinnen und Fachärzte kann bei ungesteuerten Fällen erwogen werden und ist besonders für Neurologinnen und Neurologen attraktiv, da sie die gängigen entwicklungsbiografischen und psychiatrischen Ziffern im EBM-System nicht abrechnen können. Besonders wichtig ist dabei die GOP 35140 (Biografische Anamnese), die mit 707 Punkten und über 90 Euro hoch bewertet ist.
Daneben können und sollen neuropsychologische Testverfahren durchgeführt und abgerechnet werden. Diese umgibt ein großer Hype, der aus unserer Erfahrung unbegründet ist, da es zwar viele Tests gibt, nach Leitlinien aber keinen Goldstandard. Bewährt hat sich ein Kurzscreening mit 6 Fragen (ASRS), das in verschiedenen Versionen (ASRS v1.1 von 2004, veröffentlicht durch eine ADHS-Arbeitsgruppe der WHO, und eine neuere Version nach DSM-5) verfügbar ist. Es folgt eine retrospektive Selbstbewertung von ADHS-Symptomen in der Kindheit, üblicherweise durch den WURS-K-Fragebogen mit 25 Items inkl. 4 Kontrollitems.
Im dritten Teil der Serie geht es nächste Woche um die Therapie der ADHS mit Stimulanzien.

Prof. Dr. Markus Weih ist Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie. Er ist im Medic-Center Nürnberg – Schöll + Kollegen (MVZ) tätig und für Berufsverband und in Forschung und Lehre aktiv.