Therapie von ADHS im Erwachsenenalter: Routine oder Herausforderung?

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Eine Serie von Prof. Dr. Markus Weih

In den folgenden Wochen wird Prof. Dr. Markus Weih, Facharzt für Neuro­logie, Psy­chia­trie und Psycho­therapie, in unserer neuen Serie der Frage nach­gehen, ob die Therapie von ADHS im Erwachsenen­alter mittler­weile eine Routine­aufgabe ist oder eine Heraus­forderung darstellt. Im heutigen ersten Teil der Serie wird das Krankheitsbild ADHS im Erwachsenen­alter vor­ge­stellt. Die weiteren Teile werden sich mit der Diagnose und The­rapie sowie den damit verbun­denen Heraus­forde­rungen beschäftigen.

Teil 1: Das Krankheitsbild ADHS im Erwachsenenalter

Das Krankheitsbild ADHS, ursprünglich bei Kindern beschrie­ben, erfuhr in den letzten Jahren vor allem in den psychiatrischen Praxen zunehmende Auf­merk­sam­keit. Zwar ist die Daten­lage aktuell noch nicht eindeutig, die meisten Unter­suchungen gehen aber davon aus, dass die Präva­lenz und der Anteil medika­mentös behan­delter Patien­tinnen und Patienten leicht bis moderat ansteigt (Ivanova, 2026; Betzler, 2026). Intensiv disku­tiert wird dabei immer wieder die Hypo­these, ob es sich bei Erwachsenen um nach­geholte oder von Patienten­seite erwünschte Diagnosen handelt. Unsere Erfah­rung ist dabei, dass sich bei der Mehr­zahl der Patien­tinnen und Patienten bereits in den Schul­zeug­nissen Auf­fällig­keiten zeigten, die gut mit dem Krank­heits­bild vereinbar sind. In jedem Fall rückt das Thema ADHS im Erwachsenen­alter weiter ins Blickfeld der ambu­lant psychia­trischen und weniger auch der neurologischen Behand­lung. Der Berufs­verband Deutscher Nerven­ärzte und der Berufs­verband Deutscher Psychiater rea­gieren auf diese Ent­wick­lung und haben deshalb bereits 2025 eine ADHS-Taskforce ins Leben gerufen.

Weitere Aspekte dieses Themas sind eine gut gesteuerte Transi­tion der Menschen, die von der Kinder- und Jugend­psychiatrie weiter fach­ärzt­lich behandelt werden möchten, sowie eine gender­gerechte Diagnose und Behand­lung über die ganze Lebens­spanne hinweg, da zunehmend auch Eltern von Kindern mit ADHS und sogar Menschen in der zweiten Lebens­hälfte diese Frage­stellungen an uns herantragen.

Im zweiten Teil der Serie geht es nächste Woche um die Diagnose der ADHS im Erwachsenenalter.

Prof. Dr. Markus Weih ist Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie. Er ist im Medic-Center Nürnberg – Schöll + Kollegen (MVZ) tätig und für Berufsverband und in Forschung und Lehre aktiv.