Mitarbeiterbindung in Arztpraxen: steuerliche Benefits und betriebliche Altersvorsorge
Der Fachkräftemangel ist längst auch in Arztpraxen angekommen – und die Auswirkungen sind im Praxisalltag deutlich spürbar. Viele Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber stehen heute vor der Herausforderung, offene Stellen über Monate nicht besetzen oder qualifiziertes Fachpersonal nicht an die Praxis binden zu können.
Der Fachkräftemangel ist längst auch in Arztpraxen angekommen – und die Auswirkungen sind im Praxisalltag deutlich spürbar. Viele Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber stehen heute vor der Herausforderung, offene Stellen über Monate nicht besetzen oder qualifiziertes Fachpersonal nicht an die Praxis binden zu können.
Dabei hat sich der Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren spürbar verändert: Während früher häufig die Arbeitgeber zwischen vielen Bewerberinnen und Bewerbern auswählen konnten, erleben wir heute zunehmend einen Arbeitnehmermarkt. Gut ausgebildete Medizinische Fachangestellte können sich ihren Arbeitsplatz oftmals aussuchen – und wer unzufrieden ist, findet nicht selten innerhalb kürzester Zeit eine neue berufliche Perspektive. Fluktuation in Arztpraxen ist immer teuer.
Für Praxen bedeutet das: Neben einer fairen Vergütung gewinnen vor allem Themen wie Wertschätzung, Führungskultur, Entwicklungsmöglichkeiten, flexible Arbeitsmodelle und attraktive Zusatzleistungen immer stärker an Bedeutung. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer möchten nicht nur „funktionieren“, sondern sich gesehen, eingebunden und langfristig wohl fühlen.
Wie gelingt es Praxen heute, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren?
Entscheidend ist vor allem ein bewusster und wertschätzender Umgang mit dem eigenen Team. Moderne Praxen investieren zunehmend in ihre Arbeitgeberattraktivität und entwickeln gezielt eine starke Arbeitgebermarke, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen und langfristig zu binden.
Dabei spielen längst nicht mehr nur klassische Gehaltsfragen eine Rolle. Neben Anerkennung, guter Führungskultur und Entwicklungsmöglichkeiten gewinnen insbesondere zusätzliche Arbeitgeberleistungen an Bedeutung, die den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen spürbaren Mehrwert bieten.
Denn klassische Gehaltserhöhungen verlieren häufig schnell ihren besonderen Effekt: Ein höheres Bruttogehalt wird nach kurzer Zeit oft als selbstverständlich wahrgenommen, während durch Steuer- und Sozialversicherungsabgaben häufig weniger ankommt als erwartet.
Deshalb setzen viele Praxen heute verstärkt auf die Gewährung von steuer- und sozialversicherungsfreien Benefits. Solche Benefits können finanziell attraktiver sein und gleichzeitig die Bindung an die Praxis nachhaltig stärken.
Welche Benefits sind für die Medizinischen Fachangestellten sinnvoll?
- Monatliche (Tank-)Gutscheine bis zu einem Betrag von 50,00 Euro
- Zuschüsse zu bzw. Übernahme von Kindergartenbeiträgen
- Aufmerksamkeiten zu besonderen Anlässen, wie beispielsweise Sachzuwendungen zum Geburtstag, zur Heirat oder zur Geburt eines Kindes bis zu einem Betrag in Höhe von 60,00 Euro pro Anlass
- Erholungsbeihilfen
- Übernahme von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung bis zu einem Jahresbetrag in Höhe von 600,00 Euro
- Angebot einer betrieblichen Krankenversicherung (fließt in die Sachzuwendungsgrenze in Höhe von monatlich 50,00 Euro mit ein)
Wichtig bei der Gewährung von steuerlichen Benefits ist, dass sie zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt werden müssen. Sprich, es darf keine Umwandlung von bestehenden steuer- und sozialversicherungspflichtigen Gehaltsbestandteilen in steuer- und sozialversicherungsfreie Gehaltsbestandteile vorgenommen werden.
Betriebliche Altersvorsorge
Die betriebliche Altersvorsorge kann für Praxen ein wirkungsvoller Bestandteil moderner Mitarbeiterbindung sein. Gerade vor dem Hintergrund der zu erwartenden Rentenlücke im Alter gewinnt das Thema für viele Beschäftigte zunehmend an Bedeutung.
Ein häufig genutzter Weg ist dabei die sogenannte Entgeltumwandlung. Hierbei wird ein Teil des Bruttogehalts direkt in einen Vorsorgevertrag eingezahlt, bevor Steuern und Sozialabgaben anfallen. Dadurch profitieren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter davon, dass der finanzielle Aufwand monatlich geringer ausfällt als bei einer privaten Altersvorsorge, die aus dem Nettogehalt eingezahlt wird.
Die durch die Entgeltumwandlung aufseiten der Arbeitgeber eingesparten Sozialabgaben sind teilweise in Form eines Zuschusses an die Belegschaft weiterzugeben bzw. direkt in den Vertrag zusätzlich einzuzahlen. Hierbei beträgt der Zuschuss für die Arbeitgeber verpflichtend 15 %, kann aber auch weiter aufgestockt werden.
Zwar besteht keine Verpflichtung, aktiv auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuzugehen und eine betriebliche Altersvorsorge anzubieten. Dennoch kann sie ein wichtiger Faktor sein, um sich als moderner und attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Gleichzeitig stärkt sie langfristig die Bindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Praxis und unterstützt eine nachhaltige Personalstrategie.
Fazit
Praxen sollten auf eine langfristige Mitarbeiterbindung setzen. Diese ist ein entscheidender Erfolgsfaktor moderner Praxen. Denn stabile Teams sind nicht nur wichtig für die Stimmung in der Praxis, sondern auch für die Wirtschaftlichkeit, die Patientenbindung und die Zukunftsfähigkeit der Praxis.

Kontaktdaten:
Stefanie Anders
Partnerin Heilberufe, Steuerberaterin bei ECOVIS KSO Steuerberater + Rechtsanwälte
stefanie.anders@ecovis-kso.com
Tel.: 0211/90867-0
www.ecovis-kso.com