Evidenzbasierte Therapie der Colitis ulcerosa im Kindesalter
Mit der aktualisierten deutschen S3-Leitlinie zur Colitis ulcerosa liegen erstmals strukturierte und evidenzbasierte Empfehlungen für Kinder und Jugendliche vor. Grundlage ist ein klarer Stufenplan, der sich konsequent an der Krankheitsaktivität orientiert.
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie die Colitis ulcerosa (CU) treten zunehmend bereits im Kindes- und Jugendalter auf. Vor diesem Hintergrund wurde die deutsche S3-Leitlinie Colitis ulcerosa (Version 7.0) aktualisiert und erstmals um ein eigenes Kapitel zur pädiatrischen Versorgung ergänzt.1
Zentrales Element der Therapie ist die Erfassung der Krankheitsaktivität mithilfe des Pediatric Ulcerative Colitis Activity Index (PUCAI), der allein auf klinischen Symptomen basiert und eine Einteilung in Remission sowie leichte, moderate und schwere Verläufe erlaubt.2 Abhängig vom PUCAI-Score wird das therapeutische Vorgehen gestuft festgelegt.
Bei milder bis moderater CU ohne extraintestinale Manifestationen empfiehlt die Leitlinie primär eine orale Therapie mit 5-Aminosalicylsäure (5-ASA), entweder als Mesalazin oder Sulfasalazin (Evidenzgrad 2, Empfehlungsgrad A).1 Die Wirksamkeit dieser Strategie wird insbesondere durch die PROTECT-Studie gestützt, in der fast die Hälfte der behandelten Kinder unter Mesalazin innerhalb von 12 Wochen eine steroidfreie Remission erreichte.3 Reicht eine orale Monotherapie nicht aus, soll bei ausgedehntem Befall zusätzlich eine rektale 5-ASA-Therapie erfolgen, um eine frühzeitige Eskalation mit Corticosteroiden zu vermeiden.4
Bei moderaten bis schweren Verläufen kommen systemische Glucocorticoide zum Einsatz, bei hoher Krankheitsaktivität auch intravenös. Aufgrund relevanter Nebenwirkungen im Kindesalter sollen Steroide jedoch nicht zur Remissionserhaltung eingesetzt werden.1 Ziel bleibt eine nachhaltige, steroidfreie Remission (Evidenzgrad 3, Empfehlungsgrad B). Eine Therapie mit TNF-alpha-Inhibitoren soll zur Remissionsinduktion und ‑erhaltung bei therapierefraktären oder steroidabhängigen sowie schweren Verläufen einer Colitis ulcerosa im Kindes- und Jugendalter eingesetzt werden (Evidenzgrad 1, Empfehlungsgrad A).1
1 Aktualisierte S3-Leitlinie Colitis ulcerosa (Version 7.0), federführend herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS), Stand November 2025, AWMF-Register-Nr. 021-009
2 Turner D et al. Development, validation, and evaluation of a pediatric ulcerative colitis activity index (PUCAI): a prospective multicenter study. Gastroenterology 2007; 133(2): 423–432, doi: 10.1053/j.gastro.2007.05.029
3 Hyams JS et al. Factors associated with early outcomes following standardised therapy in children with ulcerative colitis (PROTECT): a multicentre inception cohort study. Lancet Gastroenterol Hepatol 2017; 2: 855–868, doi: 10.1016/S2468-1253(17)30252-2
4 Levine A et al. Mesalamine Enemas for Induction of Remission in Oral Mesalamine-refractory Pediatric Ulcerative Colitis: A Prospective Cohort Study. J Crohns Colitis 2017; 11: 970–974, doi: 10.1093/ecco-jcc/jjx042