Regelungen der Kassenärztlichen Vereinigungen

Bei der Wirtschaftlichkeitsprüfung von Arzneimitteln sind für Ärzte seit 2017 neue Vorgaben von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) zu beachten, die einen erheblichen Einfluss auf die Verordnung einzelner Präparate haben. Einzelne KVen erproben neue Wege der Verordnungssteuerung, die zum Teil erheblich variieren: beispielsweise existieren Richtgrößen-, Durchschnittswerteprüfungen oder Prüfungen nach Zielwerten.

Was die neuen Prüfmethoden der einzelnen KVen anbelangt, zeigt sich eine enorme Vielfalt: Während beispielsweise Bayern und Hamburg die Verordnung mithilfe von facharztgruppenspezifischen Arzneimittelquoten steuern, gibt es in Thüringen oder Sachsen unterschiedliche Prüfsysteme je nach Facharztgruppe. In Schleswig-Holstein wurde von einem Professor der Mathematik das neue Prüfsystem erdacht, das sich an der Morbidität der Patienten orientiert. In der untenstehenden Tabelle finden Sie eine Übersicht zu den aktuellen Prüfmethoden und Vereinbarungen der KVen.

Zusammenfassung der jeweiligen Prüfsysteme in den Kassenärztlichen Vereinigungen

Baden-Württemberg
Richtwerteprüfverfahren: Vergleich zwischen Verordnungsvolumen und dem praxisindividuellen Richtwertvolumen
Bayern
Wirkstoffprüfung: Arzneimittelquoten für verschiedene Arzt- und Wirkstoffgruppen
Berlin
Richtgrößenprüfung
Brandenburg
Richtgrößenprüfung
Bremen
Wirkstoffbezogene Prüfung nach Durchschnittswerten (Auswahlparameter u. a.: ungünstige Verteilung wirtschaftliche/unwirtschaftliche Wirkstoffe)
Hamburg
Wirkstoffprüfung: Arzneimittelquoten für verschiedene Arzt- und Wirkstoffgruppen
Hessen
Prüfung nach fachgruppenspezifischen Durchschnittswerten
Mecklenburg-Vorpommern
Prüfung nach Auffälligkeitsgrenzen bei Verordnungen, die unter den Medikationskatalog der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) fallen
Niedersachsen
Prüfung nach fachgruppenspezifischen Durchschnittswerten und mögliche Befreiung von der Durchschnittswerteprüfung durch Einhalten von Arzneimittelquoten
Nordrhein
Prüfung nach fachgruppenspezifischen Durchschnittswerten und mögliche Befreiung von der Durchschnittswerteprüfung durch Einhalten von Arzneimittelquoten
Rheinland-Pfalz
Fachgruppenspezifische Zielquoten, bei Nichterreichung der Zielquoten: Prüfung nach fachgruppenspezifischen Arzneimittel-Fallwerten
Saarland
Richtgrößenprüfung
Sachsen
Prüfungsmethode abhängig von der Facharztgruppe: Richtgrößenprüfung oder Zielwertprüfung
Sachsen-Anhalt
Richtgrößenprüfung
Schleswig-Holstein
MRG (Morbidity Related Groups)-Prüfung: Steuerung der Wirtschaftlichkeit durch morbiditätsbezogenes Budget und Zielwerte
Thüringen
Prüfungsmethode abhängig von der Facharztgruppe: Zielquoten oder Referenzfallwerte
Westfalen-Lippe
Richtgrößenprüfung mit möglicher Befreiung durch Einhalten von Zielquoten

Aktuelle Arzneimittelvereinbarungen häufig noch nicht bekannt

Zwar werden Sie von den KVen kontinuierlich über deren neue Prüfsysteme und Arzneimittelquoten informiert, jedoch herrscht bei vielen Ärzten große Verunsicherung darüber, welche Präparate noch problemlos verordnet werden dürfen. Auch wenn weiterhin der Grundsatz „Beratung vor Regress“ gilt, stellt sich die Frage: Welcher Arzt möchte zur Wirtschaftlichkeit seiner Verordnungen beraten werden? In einer im April 2018 durchgeführten Umfrage des DeutschenArztPortals gaben ca. 68 % der teilnehmenden Ärzte (n = 386) an, dass sie mit den aktuellen Vorgaben ihrer KV zur wirtschaftlichen Verordnung gemäß Arzneimittelvereinbarung 2018 nicht vertraut sind.1 Die neuen Prüfmethoden und deren Auswirkungen auf die Verordnung einzelner Präparate scheinen demnach noch nicht ausreichend beim Arzt angekommen zu sein.

1 Arztumfrage im Verordnungs- und Arzneimittel-Newsletter des DeutschenArztPortals vom 03.04.2018 bis 17.04.2018.