Biologika in der Onkologie

Biotechnologisch hergestellte Arzneimittel (Biologika) gewinnen in der Gesundheitsversorgung zunehmend an Bedeutung. In Deutschland betrug der Umsatz mit Biosimilars im kumulierten 12-Monatswert von Juli 2017 bis Juni 2018 ca. 695 Millionen Euro. Damit ist der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 97 Prozent gestiegen. Im internationalen Vergleich nimmt der Biosimilar-Markt in Deutschland den zweiten Platz hinter den USA ein.1

Betrachtet man den Umsatz des biosimilarfähigen Marktes in Deutschland – also alle Original-Biologika, zu denen bereits ein Biosimilar auf dem Markt ist – lässt sich ein Anstieg des Biosimilar-Anteils von 21,6 Prozent im April 2018 auf 38,4 Prozent im März 2019 beobachten (Abb. 1). 2

Auch in der Onkologie gewinnen Biosimilars an Bedeutung: Der Umsatz mit Biosimilars nahm im Juni 2018 bei Rituximab einen Anteil von 53,2 % und bei Trastuzumab einen Anteil von 9,3 % ein.1

Biologika zur Behandlung des nicht kleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC): ein Überblick

Das Bronchialkarzinom gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen und stellt aufgrund seiner ungünstigen Prognose auch eine der häufigsten Krebstodesursachen dar.3 In der Behandlung des nicht kleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC) kommen neben VEGF-Inhibitoren und einem EGF-Rezeptor-Inihibitor zunehmend Checkpoint-Inhibitoren zum Einsatz. Letztere zielen beim NSCLC bisher auf die Hemmung des PD-1-Signalweges ab. Dadurch kann die Anzahl aktivierter T-Zellen erhöht werden, sodass die antitumorale Immunantwort gefördert wird. Dies ist möglich, da Tumorzellen den PD-1-Signalweg nutzen, um die Apoptose regulatorischer T-Zellen zu reduzieren und die Apoptose Antigen-spezifischer T-Zellen auszulösen.

Folgende Biologika stehen aktuell (Stand: Juli 2019) zur Behandlung des NSCLC zur Verfügung:

WirkstoffOriginalpräparatBiosimilars
VEGF-Inhibitoren
RamucirumabCyramza®
BevacizumabAvastin®Zugelassen, aber noch nicht auf dem deutschen Markt: Zirabev®, Mvasi®
EGF-Rezeptor-Inhibitoren
NecitumumabPortrazza®
PD-L1-Inhibitoren
AtezolizumabTecentriq®
DurvalumabImfinzi®
PD-1-Rezeptor-Inhibitoren
NivolumabOpdivo®
PembrolizumabKeytruda®

Biologika zur Behandlung des Kolon- bzw. Kolorektalkarzinoms: ein Überblick

Auch in der Behandlung des Kolonkarzinoms bzw. Kolorektalkarzinoms kommen VEGF-Inhibitoren und EGF-Rezeptor-Inhibitoren zum Einsatz. Folgende Biologika sind dazu aktuell (Stand: Juli 2019) auf dem Markt:

WirkstoffOriginalpräparatBiosimilars
VEGF-Inhibitoren
RamucirumabCyramza®
BevacizumabAvastin®Zugelassen, aber noch nicht auf dem deutschen Markt: Zirabev®, Mvasi®
AfliberceptZaltrap®
EGF-Rezeptor-Inhibitoren
CetuximabErbitux®
PanitumumabVectibix®

Biologika zur Behandlung des Mammakarzinoms: ein Überblick

Das Mammakarzinom ist mit 69.000 Neuerkrankungen pro Jahr die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland.5 Ein wichtiger Ansatzpunkt der Biologikatherapie des Mammakarzinoms ist der epidermale Wachstumsfaktorrezeptor 2 (HER2), aber auch VEGF-Inhibitoren kommen zum Einsatz. Folgende Biologika sind aktuell (Stand: Juli 2019) zur Behandlung des Mammakarzinoms verfügbar:

WirkstoffOriginalpräparatBiosimilars
HER2-Inhibitor
TrastuzumabHerceptin®Trazimera®, Kanjinti®, Ontruzant®, Herzuma®, Ogivri®
Trastuzumab EmtansinKadcyla®
PertuzumabPerjeta®
VEGF-Inhibitoren
BevacizumabAvastin®Zugelassen, aber noch nicht auf dem deutschen Markt: Zirabev®, Mvasi®

Verordnungsvorgaben der Kassenärztlichen Vereinigungen für Onkologen

Um Arzneimittelausgaben zu senken, wird das Verordnungsverhalten zunehmend durch Zielquoten der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) reguliert. Diese schließen unter anderem Biosimilar-Mindestquoten ein. Da die Anzahl der Biosimilars im onkologischen Bereich bisher begrenzt ist, beziehen sich die Biosimilar-Mindestquoten zum aktuellen Zeitpunkt auf wenige Wirkstoffe (z. B. Trastuzumab, Rituximab).

Bei der Behandlung des Mammakarzinoms mit Biologika sind insbesondere Biosimilar-Mindestquoten zur Verordnung von Trastuzumab zu beachten. Diese Quote liegt beispielsweise im Saarland bei 20 % und in Sachsen bei 75 %.6, 7

Zudem legen einige KVen bereits Biosimilar-Mindestquoten fest, bevor Biosimilars auf dem Markt sind. So besteht beispielsweise in Sachsen eine Biosimilar-Mindestquote für Bevacizumab-Verordnungen in Höhe von 75 %. Die Quote ist um den Hinweis ergänzt, dass sie ab dem zweiten Quartal gilt, das auf den Markteintritt des ersten Biosimilars folgt.7

1 IQVIA: Newsletter Fokus Biosimilars; Oktober 2018

2 Arbeitsgemeinschaft Pro Biosimilars: Grafik des Monats Juli 2019

3 https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Lungenkrebs/lungenkrebs_node.html

4 Lyons TG und Ku GY. Chin Clin Oncol 2017; 6 (5): 53

5 https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Brustkrebs/brustkrebs_node.html

6 Kassenärztliche Vereinigung Saarland: Arzneimittelvereinbarung 2019

7 Kassenärztliche Vereinigung Sachsen: Arzneimittelvereinbarung 2019