Biologika in der Dermatologie

Biotechnologisch hergestellte Arzneimittel (Biologika) gewinnen in der Gesundheitsversorgung zunehmend an Bedeutung. In Deutschland betrug der Umsatz mit Biosimilars im kumulierten 12-Monatswert von Juli 2017 bis Juni 2018 ca. 695 Millionen Euro. Damit ist der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 97 Prozent gestiegen. Im internationalen Vergleich nimmt der Biosimilar-Markt in Deutschland den zweiten Platz hinter den USA ein.1

Betrachtet man den Umsatz des Biosimilar-fähigen Marktes in Deutschland – also alle Original-Biologika, zu denen bereits ein Biosimilar auf dem Markt ist – lässt sich ein Anstieg des Biosimilar-Anteils von 21,6 Prozent im April 2018 auf 38,4 % Prozent im März 2019 beobachten (Abb. 1). 2

Der Biosimilar-Anteil ist auch bei den für die Dermatologie relevanten Wirkstoffen vergleichsweise hoch: Der Umsatz mit Biosimilars nahm im Juni 2018 bei Infliximab einen Anteil von 58,7 Prozent und bei Etanercept einen Anteil von 44 Prozent ein.1 Der Marktanteil der Adalimumab-Biosimilars lag bereits acht Wochen nach Markteinführung bei 28 Prozent des gesamten Adalimumab-Marktes.3

Biologika zur Behandlung der Psoriasis: ein Überblick

An der Pathogenese der Psoriasis sind sowohl angeborene als auch adaptive Immunprozesse beteiligt (Abb. 2). Nach Aktivierung durch bestimmte Triggerfaktoren (z. B. Pathogene, Medikamente) setzen Keratinozyten Mediatoren der angeborenen Immunabwehr frei. Dabei kann es sich beispielsweise um antimikrobielle Peptide oder Chemokine handeln. So kann das antimikrobielle Peptid Cathelicidin LL37 dendritische Zellen aktivieren, wodurch adaptive Immunprozesse ausgelöst werden. Dendritische Zellen setzen nach Aktivierung insbesondere TNF-α und IL-23 frei. Die Freisetzung von IL-23 fördert die Differenzierung von naiven T-Zellen in Th17-Zellen, die eine Schlüsselrolle in der Pathogenese der Psoriasis einnehmen. Th17-Zellen produzieren nach Aktivierung verschiedene proinflammatorische Zytokine, wie z. B. IL-17A, IL-17F, IL-22 und TNF-α. Diese Zytokine fördern die Einwanderung weiterer Immunzellen und die Hyperproliferation der Keratinozyten. Dendritische Zellen sorgen zudem durch Freisetzung von IL-12 für eine Differenzierung von naiven T-Zellen in Th1-Zellen, die unter anderem IFN-γ produzieren.4,5

Biologika zur Behandlung der Psoriasis greifen in die Pathogenese ein, indem sie einzelne Zytokine hemmen. Folgende Wirkstoffe stehen aktuell (Stand: Juli 2019) zur Verfügung:

WirkstoffOriginalpräparatBiosimilars
TNF-alpha-Inihibitoren
AdalimumabHumira®Amgevita®, Hulio®, Hyrimoz®, Imraldi®
EtanerceptEnbrel®Benepali®, Erelzi®
InfliximabRemicade®Inflectra®, Flixabi®, Remsima®, Zessly®
CertolizumabCimzia®
IL-17-Rezeptor-Blocker (IL-17RA)
BrodalumabKyntheum®
IL-17A-Inhibitoren
IxekizumabTaltz®
SecukinumabCosentyx®
IL-12-/IL-23-Inhibitoren
UstekinumabStelara®
IL-23-Inhibitoren
GuselkumabTremfya®
TildrakizumabIlumetri®
RisankizumabSkyrizi®

Zudem wird der IL-23-Inhibitor Risankizumab aktuell in klinischen Studien untersucht und zeigte unter anderem in zwei Phase-III-Studien vielversprechende Ergebnisse.

Verordnungsvorgaben der Kassenärztlichen Vereinigungen zur Behandlung der Psoriasis

Um Arzneimittelausgaben zu senken, wird das Verordnungsverhalten zunehmend durch Zielquoten der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) reguliert. Bei der Behandlung der Psoriasis mit Biologika sind insbesondere Biosimilar-Mindestquoten zu berücksichtigen.

Die meisten KVen haben Biosimilar-Mindestquoten für die Gesamtgruppe der TNF-alpha-Inhibitoren festgelegt. Diese liegen beispielsweise in Nordrhein für Dermatologen bei 56 Prozent und in Sachsen bei 37,5 Prozent.6,7 Im Saarland wurden hingegen Quoten für einzelne TNF- alpha-Inhibitoren (Etanercept, Infliximab) festgelegt. So gilt für alle Fachbereiche eine Biosimilar-Mindestquote für Infliximab in Höhe von 60 Prozent und für Etanercept in Höhe von 50 Prozent.8 Zudem haben einige KVen bereits auf die Verfügbarkeit von Adalimumab-Biosimilars reagiert und Biosimilar-Mindestquoten für Adalimumab-Verordnungen festgelegt. In Westfalen-Lippe gilt beispielsweise eine Biosimilar-Mindestquote für Adalimumab in Höhe von 50 Prozent.9

Informationen zu den Prüfverfahren der KVen

Biologika zur Behandlung des Melanoms

In der Behandlung des Melanoms kommen mit den Checkpoint-Inhibitoren ebenfalls Biologika zum Einsatz. Dabei gibt es zwei mechanistische Ansatzpunkte (Abb. 3): Zum einen kann die Proliferationshemmung aktivierter T-Zellen durch CTLA-4-Inhibitoren reduziert werden. Zum anderen kann die antitumorale Immunantwort durch Hemmung des PD-1-Signalweges gefördert werden, wodurch ebenfalls die Anzahl aktivierter T-Zellen erhöht wird. Dies ist möglich, da über den PD-1-Signalweg die Apoptose regulatorischer T-Zellen reduziert und die Apoptose Antigen-spezifischer T-Zellen ausgelöst wird.

Folgende Biologika stehen aktuell (Stand: Juli 2019) zur Behandlung des Melanoms zur Verfügung:

WirkstoffOriginalpräparatBiosimilars
CTLA-4-Inhibitoren
IpilumabYervoy®
PD-1-Rezeptor-Inhibitoren
NivolumabOpdivo®
PembrolizumabKeytruda®

1 IQVIA: Newsletter Fokus Biosimilars; Oktober 2018

2 Arbeitsgemeinschaft Pro Biosimilars: Grafik des Monats Juli 2019

3 Arbeitsgemeinschaft Pro Biosimilars: Grafik des Monats Dezember 2018

4 Albanesi C, et al. Front Immunol 2018; 9: 1549

5 Ogawa E, et al. J Dermatol 2018; 45 (3): 264–272

6 Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein: Arzneimittelvereinbarung 2019

7 Kassenärztliche Vereinigung Sachsen: Arzneimittelvereinbarung 2019

8 Kassenärztliche Vereinigung Saarland: Arzneimittelvereinbarung 2019

9 Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe: Arzneimittelvereinbarung 2019

10 Lyons TG und Ku GY. Chin Clin Oncol 2017; 6 (5): 53